Die EU wirft dem Online-Marktplatz AliExpress den Verkauf illegaler Produkte vor. Der Onlinehändler aus China soll deswegen 550 Millionen Euro Strafe zahlen. Wie die Europäische Kommission mitteilte, wurden gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetika wochenlang nicht von der Plattform genommen. Das Unternehmen, das zum Alibaba-Konzern gehört, hat der EU-Kommission zufolge nicht genug getan, um die Verbraucher in der EU vor solchen Produkten zu schützen. Die Händler, die von AliExpress eigentlich für den Verkauf illegaler Produkte auf der Online-Plattform bestraft werden sollten, kamen nach Ansicht der EU-Kommission zum Teil davon. Sie hätten ihr Geschäft oft weiterbetreiben können, heißt es in der Mitteilung.
Auf AliExpress werden Produkte chinesischer Unternehmen verkauft, wichtigster Absatzmarkt ist die EU. Das Unternehmen gehört zur Alibaba-Gruppe, deren Umsatz 2025 rund 122 Milliarden Euro betrug.
Das Unternehmen hat nun bis zum 20. Oktober Zeit, die Mängel zu beheben, ansonsten drohen weitere Strafen. »Risiken müssen systematisch ermittelt und angegangen werden«, sagte EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen. Die EU-Kommission wirft der AliExpress vor, nicht genügend Personal für die Überprüfung der Produkte beauftragt zu haben. So hätten Kontrolleure teilweise nur zehn bis 20 Sekunden Zeit, um ein Produkt zu prüfen, sagte eine hochrangige Kommissionsvertreterin. Zudem hätten die Empfehlungs- und Werbesysteme der Website den Kunden illegale Produkte angepriesen, heißt es in einer Erklärung der Behörde. Trotz der Bemühungen des Unternehmens seien Nutzern aus der EU »fast 15 Millionen verbotener Produkte« auf der Plattform empfohlen worden, sagte ein Kommissionssprecher. AliExpress teilte mit, die Strafe sei unverhältnismäßig. Das Unternehmen sei mit der Entscheidung nicht einverstanden. Sie spiegele »weder unser etabliertes System noch die erheblichen, proaktiven Verbesserungen, die wir vorgenommen haben, angemessen wider«, teilte AliExpress in einer E-Mail mit. »Wir prüfen die Entscheidung derzeit eingehend und ziehen alle verfügbaren Optionen in Betracht.«
Das EU-Verfahren gegen AliExpress wurde im März 2024 eröffnet. Verstöße gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA) seien bis in den Sommer 2025 festgestellt worden, teilte die EU-Kommission mit. Es ist die dritte Entscheidung unter dem DSA, nach Strafen gegen den Onlinedienst X und den Onlinehändler Temu. Das Gesetz erlaubt Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens. (Quelle: Die Zeit) |